Wo ist Ihr Atelier?
Mein Atelier befindet sich im Galeriegeschoss unseres Hauses in Langballig an der Flensburger Aussenförde. Die Galerie schafft Licht, Raum und Freiheit - für mich die perfekte Atmosphäre zum Arbeiten. Vom Atelier aus kann ich den Wohnraum samt offener Küche überblicken und habe zudem direkten Zugang zu einem kleinen Balkon, den ich für kurze Schaffenspausen nutze. Die Malerei ist integraler Bestandteil meines Lebens und somit ist dies ein äußert praktisches Setup, für welches ich sehr dankbar bin. Ich habe mein Atelier und meine Bilder sehr gern in meiner unmittelbaren Nähe.
Wie ist Ihr Atelier organisiert und wie würden Sie das Ambiente in Ihren Arbeitsräumen beschreiben?
Den Mittelpunkt meines Ateliers bildet ein massiver Planschrank aus dem Kunstraum einer Schule, die geschlossen wurde. Auf diesem Schrank befinden sich meine Ölfarben, Malmittel, Farbpaletten aus Glas sowie ein Sammelsurium an Pinseln, Malmessern, Spachteln und sonstigem Künstlerwerkzeug. Gleichermaßen bietet dieser Planschrank auch viel Stauraum für Werke auf Papier und das übrige Material, das sich im Laufe der Zeit angesammelt hat.
Unter dem Dachgiebel wurde für meine Werke ein Stauraum geschaffen, der niemals auszureichen scheint.
Durch die große Fensterfront ist es hell und warm in meinem Atelier und die offene Seite zum Wohnbereich sorgt für die nötige Luftzirkulation.
Wie können Ihre Werke dazu beitragen, die Atmosphäre eines Raumes zu definieren oder zu verändern?
In meinen Werken spielt die Stimmung einer Person sowie die Atmosphäre einer Landschaft eine große Rolle. Dies ist mein zentrales Thema, das mich künstlerisch antreibt.Einige Motive strahlen Ruhe und Entspannung aus, andere sind eher dynamisch und bringen Energie und Lebendigkeit in den Raum.
Porträts und Figuren eignen sich dazu einen Fokuspunkt zu schaffen und sorgen für eine individuelle Note. Generell gestaltet der expressive Stil der Bilder ein trendiges Flair und lässt den (Wohn)Bereich zeitgemäß erscheinen. Darüber hinaus regen abstrakte Anteile in den Bildern die Gedankenwelt der Betrachter an.
Welche Materialien und Techniken bevorzugen Sie, und wie könnten diese die Atmosphäre eines Raumes beeinflussen?
Ich verwende Ölfärben in meiner Malerei und arbeite gern mit einer eigens entwickelten Kaltwachstechnik, in der die Schichtung des Materials eine wichtige Rolle spielt. Das matte Finish der Kaltwachs-Werke transportiert eine gewisse Erdung und Wärme, die sich auf den Raum auswirkt. Sie fügen sich optimal in ein wohnliches Ambiente ein und sprechen durch Textur und Haptik die Sinne an.
Gleichwohl ziehen die Bilder durch ihre Farbigkeit den Blick auf sich. Die Farbharmonien und Motive sind lebensbejahend und verleihen einem Raum eine positive, ansprechende Atmosphäre, in der man sich wohlfühlen kann.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus, und haben Sie bestimmte Routinen, die Sie als essentiell für Ihre Produktivität betrachten?
Kein Tag ist wie der andere - zum Glück. Für mich ist es ein großer Pluspunkt, die Freiheit zu haben, meinen Tagesablauf individuell und abwechslungsreich zu gestalten.
Es gibt Tage, an denen ich mein Atelier kaum verlasse und durchgehend an einem oder mehreren Werken parallel arbeite. An anderen Tagen male ich nur stundenweise, mache vielleicht nur Korrekturen oder Grundierungen. Ich entscheide jeden Tag neu, wonach mir der Sinn steht, und welche Aufgabe anfällt oder zu priorisieren ist. Meine Neugierde und die Freude am Ausprobieren neuer Techniken und Materialien muss ausserdem in meinen Arbeitstag integriert werden. So entwickle ich meine Malerei kontinuierlich weiter und lasse neue Elemente und Facetten in meinen Stil einfliessen.
Essentiell für meine Produktivität ist Bewegung an der frischen Luft. Ich liebe die Landschaft in meiner neuen Wahlheimat an der Flensburger Förde. Entlang der Küstenpfade lasse ich mir den Wind um die Nase wehen und bekomme so den Kopf frei für meine nächsten Kunst-Projekte.
Hören Sie Musik oder andere Klänge während Sie arbeiten? Wie beeinflusst das Ihre kreative Arbeit?
Wenn ich in meinem Atelier arbeite, höre ich eigentlich immer Musik. Sie hilft mir, noch tiefer in meine kreative Welt einzutauchen. Meine Playlists sind geprägt von entspannten Songs aus den 70er Jahren, Indie Rock und Pop, chilliger Alternative Musik und Singer-Songwriter-Stücken, oft mit Gitarrenklängen. Besonders mag ich markante und raue Gesangstimmen sowie rhythmische Musikstücke, die mich in Schwung bringen. Manchmal tanze ich sogar beim Malen - ein herrliches Gefühl! Die positiven Vibes und die Lebensfreude der Musik fließen direkt in meine Malerei ein.
Gibt es ungewöhnliche oder persönlich bedeutsame Gegenstände in Ihrem Atelier, und welche Bedeutung haben sie für Sie?
Ungewöhnlich ist vermutlich der Baumstamm bzw. es ist eher ein sehr starker Ast, der den abgehängten Bilder-Stauraum unterm Giebel abstützt. Dieser Ast ist mit uns umgezogen - ein Relikt aus meinem alten Atelier, was streng genommen ein kleiner Schuppen im Garten unseres vorherigen Wohnorts war. Dort begann meine Malerei vor vielen Jahren. Dieser Ast erinnert mich an meine Anfänge und den künstlerischen Weg, den ich bereits zurückgelegt habe und hat im übertragenen Sinne eine stützende Funktion. Außerdem fügt er sich dekorativ in mein Atelier ein und bringt ein Stück Natur hinein.
Was inspiriert Sie?
Die Magie des Augenblicks inspiriert mich. Das kann das perfekte Licht beim Ausblick auf eine schöne Landschaft sein genauso wie der Moment, in dem sich auf einem Gesicht oder in einer bestimmten Haltung ein Ausdruck offenbart, den ich regelrecht spüren kann. Dieser Ausdruck löst in mir eine innere Resonanz aus, die mich antreibt und dazu führt, dass ich mich zu neuen Bildern oder ganzen Serien hingezogen fühle. Manchmal ist es auch eine ganz bestimmte Farbkombination, die meine Aufmerksamkeit erregt und mich förmlich animiert. Die Art und Weise, wie Farben miteinander interagieren und einander ergänzen oder kontrastieren, erzeugt in mir eine lebendige Reaktion, die meine Kreativität beflügelt. Ich sammle diese Farbideen und finde großen Gefallen daran sodann die Ölfarben entsprechend zu mischen und das Kolorit in einem neuen Werk anzuwenden.
Fotografie: Beate Zoellner